Türkei | KÖLLA

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Die Vorzeichen stimmen

Für den türkischen Kirschenanbau hätte der zurückliegende Winter kaum besser sein können – mit viel Niederschlag und noch dazu „schön kalt“, wie Cagla Celikler von KÖLLA München betonte. Der Frühling sei aber teilweise viel zu kalt gewesen. „Den Kirschen hat das nicht wirklich geschadet. Die Bäume mögen die Kälte im Winter und können sich dann ausruhen“, unterstrich Celikler, der bei KÖLLA München für den Ein- und Verkauf zuständig ist. Im Gespräch mit dem Fruchthandel Magazin berichtete er zudem, was die Produktion besonders beeinflussen könnte und warum der Einsatz nachhaltiger Verpackungen nicht ganz einfach ist.

Daniel Schmidt

Die Qualitätsaussichten sind vielversprechend. „Für den Juni sieht es gut aus. Das könnte sich natürlich schnell ändern, wenn es wieder die ganze Zeit regnet“, so Celikler. Die Türkei verfügt über große Anbaugebiete, die sich vom Westen bis in den Osten des Landes durchziehen. Im Bedarfsfall könne man daher auf verschiedene Regionen zugreifen. Die Coronapandemie habe der Produktion mit türkischen Kirschen bislang nicht nennenswert geschadet. „Unsere Packstationen hatten glücklicherweise keine Probleme und konnten immer durchgehend arbeiten.“ Herausfordernd würden 2022 vor allem die Auswirkungen des islamischen Opferfestes sein, das vom 9. bis 13. Juli gefeiert wird. Die Saison ist dann noch in vollem Gang. „Das ist für uns ein Zeitpunkt, besonders vorsichtig zu agieren. Es wird nicht mehr an jedem Tag geerntet und die Produktionsbänder im Land stehen größtenteils für eine kurze Zeit still Dann ist mit höheren Ausschüssen zu rechnen. Dieses Jahr könnte die Produktion etwas ins Stocken geraten“, vermutet Celikler. Zu konkreten Preisentwicklungen wollte er sich zum Zeitpunkt des Gesprächs – mehrere Tage vor dem Start der Kirschensaison in der Türkei – noch nicht äußern. „2021 war die türkische Kirsche in der ersten Woche sehr teuer und daher war es anfangs schwierig, Programme zu bekommen. Die spanischen Kirschen waren deutlich günstiger. Ich gehe davon aus, dass die meisten Preise für die KW 23 abgegeben werden. Sollten die Preise in Ländern wie bspw. Spanien oder Griechenland viel niedriger sein, wird das automatisch den Preis für die türkischen Kirschen beeinflussen.“

Kleinere Kaliber in Osteuropa begehrt

Sowohl West- als auch Osteuropa sind für die Türkei wichtige Absatzmärkte. Neben Asien gewinnen afrikanische Länder zunehmend an Bedeutung. Celikler dazu: „Deutschland, als wirtschaftlich stärkstes Land in Europa, ist auch im Bereich der türkischen Kirsche eines der Hauptabnahmeländer.“ Kleinere Kaliber würden vor allem auch in osteuropäische Länder exportiert. Länder in Fernost werden ebenfalls mit türkischen Früchten beliefert. „Natürlich stellt sich da die Frage, inwiefern Kühlketten eingehalten werden können. Was den Seeverkehr anbelangt, muss man schon Mut und eine Ausnahmequalität haben. Denn in diesem Fall ist die Ware bis Foto: KÖLLA zu einem Monat unterwegs.“ KÖLLA arbeitet mit seinen Produzenten auch regelmäßig an nachhaltigen Verpackungslösungen. „Seit Jahren beobachten wir den Gang weg von Plastikverpackungen. Auch das Thema Food Waste ist uns wichtig. Gerne würden wir öfter auf verschweißte Topseal-Lösungen verzichten, damit bei einzelnen saftenden Früchten nicht gleich der gesamte Inhalt weggeworfen werden muss. Aber der Markt verlangt danach“, erklärte Celikler. Unter anderem fand der Versuch, Verpackungen aus Graspapier anzubieten, wenig Anklang. „Das Material war teurer im Vergleich zu den Topseal-Lösungen. Leider wurde diese Verpackung von den Kunden nicht akzeptiert, denn keiner war gewillt, diese Mehrkosten zu tragen. Letztlich entscheidet ja der Kunde. Wir werden aber auch weiterhin Vorschläge dazu machen. Denn das ist ein wichtiger Teil unserer Arbeit.“